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Vom Original zum Modell: Der BRB‑FLIRT bei ROCO

Vertrieb
Titelbild für den neuen ROCO KAtalog.
ROCO steht – gemeinsam mit Fleischmann – seit über 100 Jahren für detailgetreue Eisenbahnmodelle, die Sammlerinnen, Sammler und Eisenbahn-Fans weltweit begeistern.© ROCO

Absolute Perfektion, höchste Qualität und Detailtreue– diesen Anspruch stellt die Firma ROCO an ihre Modelleisenbahnen. Das sieht man den Modellen an und auch der Sound, der in vielen verbaut ist, hört sich an wie das Original. Erstmals hat ROCO einen Zug der BRB-Flotte ins Programm aufgenommen: es ist der FLIRT 3 mit dem Taufnamen „Freilassing“: 7710032 6-tlg. Set: Elektrotriebzug „FLIRT 3“, BRB.

Als uns vor gut einem Jahr eine E-Mail von Christian Auerweck, Leiter des kommerziellen Produktmanagements bei ROCO, erreichte und er – unter dem Hinweis auf Geheimhaltung – anfragte, ob wir an einer Zusammenarbeit zur Herstellung eines FLIRT-Modells in BRB-Farben interessiert seien, sagten wir gerne zu. Seitdem sind viele E-Mails hin- und hergegangen, die Firma hat Mitarbeitende ins BRB-Betriebswerk nach Augsburg geschickt, um das Fahrzeug genau zu vermessen, den Sound einzufangen und so dem Original möglichst nahe zu kommen. Heute steckt das Projekt mitten in der Entstehungsphase und zum Jahreswechsel soll der Triebwagen bei Eisenbahnliebhabern auf der Modellanlage fahren können.

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"Eine Modelllok bestand früher aus rund 30 Teilen, heute sind die Erwartungen der Kundschaft viel höher, alles muss perfekt sein"
Christian Auerweck, Leiter des kommerziellen Produktmanagements bei ROCO
Christian Auerweck, Leiter des kommerziellen Produktmanagements bei ROCO

Wie wird nun aus dem großen FLIRT ein kleiner? Am Anfang steht die Idee. Auf Messen sprechen Besucher ROCO an und fragen nach Modellen, Hersteller geben einen Wunsch ab, welches ihrer Fahrzeuge sie gerne als Modell sehen würden, Eisenbahnverkehrsunternehmen kommen auf ROCO zu. „Das ist anfangs eine Bauchentscheidung“, erzählt Auerweck. Dann kommen das Projektmanagement und Controlling ins Spiel. Das heißt vereinfacht gesagt, es wird durchgerechnet, ob die Herstellung sich finanziell lohnen würde, die Einnahmen durch den Verkauf die Herstellungskosten übersteigen würden. Beim FLIRT fiel die Wirtschaftlichkeitsprüfung positiv aus. Also konnte die Umsetzung beginnen.

BRB-Mitarbeiter Franz Nerb mißt den Zug aus.
BRB-Mitarbeiter Franz Nerb unterstützte die ROCO-Mitarbeiter vor Ort im Bahnbetriebswerk in Augsburg. Dort wurde der Original-FLIRT vermessen und auch der Originalsound aufgenommen. © BRB

Alles einfach am Computer maßstabsgetreu 1:87 herunterzurechnen, das funktioniert nicht, sagt Christian Auerweck: „Unsere Konstrukteure sind vier bis acht Monate damit beschäftigt, das Fahrzeug am Computer nachzukonstruieren. Gute Unterstützung bieten digitale Daten der Hersteller, in diesem Fall Stadler, aber da ist jede Wasserleitung enthalten, jedes Stromkabel, das brauchen wir alles nicht.“ Scheibenwischer, Antenne – alles, was von außen sichtbar ist, muss am Computer gezeichnet werden, und zwar so, dass es in der „Kleinheit“ noch produzierbar ist. BRB und Stadler standen ROCO immer mit ihrem Wissen und ihren Unterlagen zur Seite. Das hat bei der Konstruktion enorm geholfen. Am Ende dieses Prozesses stand die Freigabe.

Es ist ein Modellzug in der Simulation zu sehen.
Zählen Sie doch zum Test, wie viele Einzelteile allein in diesem Bildausschnitt des Modellzuges zu sehen sind. Dann wird schnell klar, dass es sich am Ende für jeden Zug um hunderte Einzelteile handelt. © Markus Huber, ROCO

Danach erfolgten Werkzeugkonstruktion und -bau: Spritzgussformen aus Stahl für Drehgestelle, Fenster, Gehäuse und unendlich viele Teile mehr. Es dauert dann wieder vier bis acht Monate, bis die Werkzeuge produktionsbereit sind. Hier geht es um genauestes Arbeiten, um Zehntelmillimeter mit filigranem Werkzeug. Das sieht man in dem Erklärvideo der Firma ROCO sehr deutlich. Anschließend werden Erstmuster erstellt. Ist die Gravur zu hoch? Stehen die Scheibenwischer zu sehr ab? Bei der Prüfung kommt sogar die Lupe zum Einsatz. Sind die Erstmuster erfolgreich durch diese Prüfung gekommen, folgt die sogenannte Vorserie. Es werden 20 bis 30 Modelle produziert, die Züge mit allen Einzelteilen zusammenmontiert. Passt alles perfekt in- und aufeinander, hat der Arbeitsaufwand einen vertretbaren Umfang, kann möglichst reibungslos produziert werden? Wenn nichts mehr dagegenspricht, kommt noch ein wichtiger Punkt, um den Zug am Ende auch sofort als einen Flirt der BRB auf der Strecke Chiemgau-Inntal erkennen zu können, die sogenannte „Artwork“. Beschriftungsvorlagen, Farben, Unternehmensdesign – alles muss hundertprozentig stimmen. In einer Stückliste wird jedes Teil, aus dem der Zug später zusammengebaut wird, erfasst. Das sei „ganz schön tricky“, meint Christian Auerweck. Grob sind das 400 bis 500 Teile, die in der Liste erfasst sind. Da sei die Gefahr hoch, dass man Ziffern vertausche, sich vertippe. Wenn auch dieser Vorgang abgeschlossen ist, beginnt endlich die Produktion.

Roco hat zwei kurze Videos von der Entstehung eines Modellzuges bei YouTube hochgeladen. Ist zwar nicht unser FLIRT, aber unbedingt sehenswert! Dann weiß man, was hinter der Produktion steckt und warum die Modelle preislich nicht ganz günstig sind:

ROCO ist global vernetzt, erzählt Auerweck. Der Hauptsitz ist bei Salzburg, es gibt einen Standort in der Nähe von Wien, Werke in der Slowakei, in Rumänien, Vietnam. Am Ende müssen alle Teile zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Stückzahl an einem Ort zusammengeführt werden, wo die Endmontage – zum Beispiel in China – erfolgt. ROCO gehört übrigens zusammen mit dem zweiten großen Modelleisenbahnhersteller Fleischmann zur österreichischen Modelleisenbahn-Holding. Aber zurück zum FLIRT. Jedes Modell macht vor der Auslieferung eine Testfahrt. Funktionieren Lichter, Sound, Makrofon (= „Hupe“), Türpiepser, Durchsagen? Ja, es gibt die Modelle nicht nur mit Grundausstattung, sondern zu einem Aufpreis auch mit allen möglichen Sounds. Das ist wie beim Autokauf. Selbstverständlich wird der Sound original am echten Fahrzeug aufgenommen! Ehrensache! Inzwischen sind übrigens zwölf bis 16 Monate vergangen.

Und weil der FLIRT in die ganze Welt verkauft wird und jeder das Oktoberfest kennt, ist die Durchsage für ein Millionenpublikum ausgesucht: Es handelt sich um den Weg vom Münchner Hauptbahnhof zur Wiesn. Ein lustiges Gimmick.

Zum Schluss noch ein Blick zurück von Christian Auerweck: „Eine Modelllok bestand früher aus rund 30 Teilen, heute sind die Erwartungen der Kundschaft viel höher, alles muss perfekt sein.“ Das treibt zwar den Preis in die Höhe, sorgt aber auch für viel Begeisterung unter Modelleisenbahnfans. Und das sind nicht mehr nur Rentner, sondern erfreulicherweise auch wieder mehr junge Leute, berichtet Auerweck. Influencer kommen auf Messen an den ROCO-Stand, laden ihre Videos direkt in den Sozialen Medien hoch, Besucherinnen und Besucher lassen sich mit den Influencern fotografieren, posten ebenfalls und so kommt es zum direkten Austausch – das Hobby Modelleisenbahn verlässt sein verstaubtes Image und wird plötzlich wieder modern. Dazu beigetragen hat auch Corona. Viele Kunden haben damals ihre alte Modelleisenbahnanlage aus dem Keller und vom Dachboden geholt oder sich eine neue gekauft. Manch einer oder eine wird sich dieses Jahr vielleicht zu Weihnachten den Freilassing-FLIRT wünschen. Übrigens kann man sich das Modell schon jetzt per Wunschzettel auf der Webseite von ROCO sichern, die Auslieferung erfolgt voraussichtlich Ende 2026, Anfang 2027.

Und wir von der BRB hoffen, dass der FLIRT, der bei uns im Netz Chiemgau-Inntal unterwegs ist, auch im Miniaturwunderland in Hamburg seine Runden drehen wird. Volksfestambiente gibt es dort ja bereits. Übrigens kann man sich den FLIRT schon jetzt per Wunschzettel auf der Webseite von ROCO sichern, die Auslieferung erfolgt voraussichtlich Ende 2026, Anfang 2027.

Annette Luckner

Annette Luckner

Pressesprecherin, BRB