
Landschaftsfotos und Naturaufnahmen sind seine Spezialität. Tulpen, sonnenbeschienen und grellrot leuchtend, ein Eichhörnchen auf einem Baumstumpf, Nebelschwaden vor einem Waldpanorama, im Hintergrund die Alpen, der Vollmond hellleuchtend und natürlich immer wieder sein Kloster St. Ottilien. Hin und wieder ist auch eine Aufnahme eines BRB-Zuges dabei, macht der doch Halt an dem kleinen Bahnhof auf seinem Weg an den Ammersee. Die Rede ist hier von Bruder Wunibald, einem leidenschaftlichen Fotografen und Benediktinermönch im Kloster St. Ottilien. In seiner Freizeit ist er häufig auf der Jagd nach schönen Motiven. Diese strahlen eine innere Ruhe aus, die sich auf den Betrachter überträgt. Es tut gut, die Fotografien anzuschauen, auf sich wirken zu lassen.


Manchmal drückt er auf den Auslöser, wenn ein BRB-Zug vorüberfährt. Gefällt ihm sein Schnappschuss, schickt er ihn an die Social-Media-Abteilung der BRB: Ein LINT in Schräglage in einer Kurve, ein Lint am Bahnhalt St. Ottilien mit einer besonderen Wellblechhütte aus dem Jahr 1898 im Hintergrund. Sie war vor über 125 Jahren der einzige Unterstand für wartende Mönche, die von St. Ottilien mit dem Zug zur Mission fuhren. Nach diversen Zwischennutzungen steht sie heute wieder am ursprünglichen Platz neben dem denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude. Bruder Wunibalds Fotos veröffentlicht aber nicht nur die BRB, sondern regionale Zeitungen und auch das Bayerische Fernsehen, zum Beispiel in der Abendschau oder vor der Wettervorhersage. Er selbst postet seine Fotos auch in den sozialen Medien. Achten Sie mal bei Fotowettbewerben oder im Regionalfernsehen darauf, ob vielleicht unter einem besonders schönen Landschaftsfoto „Bruder Wunibald“ steht. Auch im Jahrbuch der Erzabtei sind viele seiner Fotos zu finden.
Augen auf, Kamera an – so halten wir die wichtigen Momente bewusst fest und bleiben aufmerksam für das, was um uns herum passiert.

Wer am Haltepunkt St. Ottilien aus dem Zug steigt und Richtung Klosteranlage spaziert, kann an einem sonnigen Tag eine wunderbare Auszeit genießen. Sollte einem ein freundlicher älterer Herr mit Schiebermütze und Kamera über den Weg laufen, kann man sich fast sicher sein, dass es Bruder Wunibald ist. Geboren wurde er in Augsburg, nach einigen Jahren in Nordendorf zog Familie Wörle (vor seinem Eintritt ins Kloster hieß Bruder Wunibald Martin Wörle) nach Neusäß. Dorthin hat er bis heute Kontakte, besucht das Grab seiner verstorbenen Eltern. Die Benediktiner sind ein sehr offener Orden, Bruder Wunibald interessiert sich neben der Fotografie für Politik, ist regelmäßig in den sozialen Medien unterwegs. Sein Interesse an klösterlichem Leben begann schon früh zu wachsen, doch bevor er sich zum Eintritt ins Kloster entschloss, absolvierte er seinen Wehrdienst nach einer kaufmännischen Ausbildung in Augsburg bei Siller & Laar, einem traditionsreichen Fachgeschäft für Haushalts- und Eisenwaren, wo er rund 15 Jahre arbeitete. Mit 32 Jahren gab Martin Wörle sein weltliches Leben auf. Heute arbeitet er im Kloster mit Leib und Seele, wie er selbst sagt, in der Buchhaltung.
Auch das Rhabanus-Maurus-Gymnasium, eine humanistische Schule mit neusprachlichem Zweig, gehört zum Klosterdorf, wird heute aber vom Schulwerk der Diözese Augsburg geführt. Metzgerei, Landwirtschaft, Gärtnerei, Klostergaststätte, die Anlage ähnelt tatsächlich einem kleinen autarken Dorf. Dort arbeiten die Benediktiner heute zusammen mit weit über einhundert weltlichen Angestellten. Rund 70 Ordensbrüder zählt man in St. Ottilien. Eine eigene Krankenabteilung für die Patres und Brüder gibt es übrigens auch. Im Klosterladen finden Besucher ein breites Sortiment. Die Liköre und Obstbrände werden direkt in St. Ottilien hergestellt, daneben gibt es religiöse Literatur, Weihbrunnkessel, Rosenkränz, Kerzen oder in fairem Handel hergestellte Produkte aus Entwicklungsländern.


Die Klosteranlagen müssen unterhalten werden, dafür werden die eigenen Produkte vermarktet und Spenden gesammelt. In der großen Anlage mit historischen Gebäuden gibt es immer etwa zu reparieren und sanieren. Das kostet viel Geld. Einnahmen kommen auch aus dem Klostergasthof mit Biergarten und Gästezimmern. Und wer innere Einkehr und Ruhe sucht, ist in der Erzabtei ebenfalls richtig. „Klosterurlaub“ ist eine Erfahrung, die heute viele als Pause vom stressigen Alltag machen wollen. Immer wieder laufen Besucherinnen und Besucher mit kleinen Koffern durch die Klosteranlagen und wollen sich eine besondere Auszeit gönnen.
Eisenbahnfans, die einen kurzen Abstecher nach St. Ottilien machen möchten, können das bei einer der nostalgischen Dampfzugfahrten an den Ammersee tun. In St. Ottilien hält der Vormittagszug auf seinen Sonderfahrten für knapp 20 Minuten für einen sogenannten “Fotohalt”, wenn es betrieblich möglich ist. Dann können Eisenbahnfreunde den historischen Zug vor der beeindruckenden Kulisse des Klosters filmen und fotografieren. Anschließend geht es weiter nach Schondorf und Utting, wo die Dampfzüge nur wenige Meter entfernt vom Ufer des Ammersees halten. Wer länger in St. Ottilien verweilen möchte, kann jederzeit die BRB für Hin- und Rückfahrt nutzen.

Pressesprecherin, BRB