
Die beiden Mamas Lisa Damm und Natalie Mangold sind alleinerziehende Mütter von zwei wunderbaren Töchtern. Rosalie ist sechs Jahre alt, Lea elf. Beide Mädchen wohnen bei ihren Mamas in einem sogenannten Ein-Eltern-Haushalt, die Väter wohnen woanders. Wenn Lisa und Natalie von ihren Kindern erzählen, strahlen sie über das ganze Gesicht, sind stolz – auf die Töchter, die vieles schon allein managen, und auf sich selbst, weil sie Kind, Haushalt und Beruf unter einen Hut bringen. Ihren Beruf bei der BRB lieben beide sehr. Lisa Damm ist in der Verwaltung tätig, Natalie Mangold ist Triebfahrzeugführerin. Auf Natalie wurden wir für diesen Blog aufmerksam, als wir sie in einem Gespräch beiläufig fragten, ob sie ein Hobby habe. Ihre Antwort: „Ich bin alleinerziehende Mutter, ich habe kein Hobby.“ Anmerkung der Redaktion: Stimmt nicht, sie hat sogar zwei. Auf Lisa wurden wir aufmerksam, weil sie von einer Kollegin „die Sonne“ genannt wird und immer gute Laune hat. Was beide unisono betonen: „Eisenbahner halten zusammen und es herrscht eine gute Kameradschaft.“.
Lisa Damm: Ich habe Einzelhandelskauffrau gelernt, eine Hauswirtschaftsschule besucht, war in einem Seniorenheim tätig. Mein jetziger Partner, der ebenfalls bei der BRB arbeitet, hat mich darauf gebracht, mich bei der BRB zu bewerben. Angefangen habe ich als Praktikantin in der Personalabteilung, bei Tarif und Vertrieb und im Controlling, und ungefähr seit Juli vertrete ich eine Kollegin im Controlling in der Schadensbearbeitung. Da hätte ich mich nie und nimmer beworben, in Mathe war ich eine Niete und jetzt gefällt es mir dort richtig gut.
Natalie Mangold: Ich war Verwaltungsfachangestellte bei der Agentur für Arbeit und im Jobcenter. Als ich mal wieder so richtig genervt war von meinem Job, habe ich nach ungewöhnlichen Jobs für Frauen gegoogelt und als erstes ploppte „Lokführer bei der BRB“ auf. Von selbst wäre ich darauf nie gekommen. Die Ausbildung war Stress für mich, ich bin abends beim Lernen am Schreibtisch teilweise eingeschlafen. Lea und ich hatten einen Deal. Ich schrieb, was ich lernen musste, auf Karteikarten, Lea fragte mich ab und lernte so lesen. Sie konnte deshalb schon sehr früh schwierige Eisenbahnbegriffe wie „Eisenbahnbundesamt“ problemlos vorlesen, von denen hatten gleichaltrige Kinder noch nie etwas gehört.
Lisas damaliger Partner hat sie kurz vor der Geburt von Rosalie verlassen. Mutter und Kind haben keinen Kontakt zu ihm. Lea sieht ihren leiblichen Vater jedes zweite Wochenende und verbringt die Hälfte der Ferien mit ihm. Beide Mütter haben ihr Leben – so unterschiedlich es auch ist – gut im Griff, alles ist durchorganisiert, sie tragen die gesamte Verantwortung für die Erziehung und haben ihre Mädels zu großer Selbständigkeit erzogen. Anders würde der Alltag wahrscheinlich gar nicht funktionieren.
Mütter sind einfach krass. Was die alles wuppen! Es gibt keine besseren Manager. Planen und organisieren ist total wichtig.
Das Wort „Kameradschaft“ verwenden wir an dieser Stelle bewusst, auch wenn wir über zwei Frauen schreiben, eine neutrale Alternative gibt es schlichtweg nicht. Das Interview mit Lisa fand über Teams statt, just an dem Tag grassierte ein Magen-Darm-Virus in der Kita und davon sollte Rosalie verschont bleiben, also arbeitete Lisa im Homeoffice und Rosalie wurde mit einem Schoko-Nikolaus-Lutscher „bestochen“ und wir diskutierten über den Unterschied zwischen Orange und Mandarine mit ihr. Das erinnerte ein wenig an die Coronazeiten, als öfter einmal Kinder in staubtrockenen Meetings erfrischend sorglos durchs Bild auf dem PC hüpften.

Lisa Damm: Mütter sind einfach krass. Was die alles wuppen! Es gibt keine besseren Manager. Planen und organisieren ist total wichtig. Angefangen bei banalen Dingen wie Arztterminen muss man alles im Blick haben. Ich versuche, Termine gut übers Jahr zu verteilen, nicht zu viele pro Woche. Ich arbeite nur Teilzeit, Vollzeit würde ich nicht schaffen und ich will doch auch Zeit mit meinem Kind verbringen, Mama sein braucht gemeinsame Zeit. Und Rosalie muss doch auch lernen, dass man Arbeit zum Geldverdienen braucht, sonst kann man sich nichts kaufen.
Natalie Mangold: Ich arbeite auch nicht Vollzeit und versuche möglichst häufig Frühschichten zu fahren, damit ich nachmittags bei Lea bin. Mit ihren elf Jahren ist sie schon extrem selbstständig und diszipliniert, anders würde es auch gar nicht funktionieren. Wenn ihr Wecker klingelt, bin ich längst im Führerstand. Lea steht auf, ruft mich an, damit ich weiß, dass sie auch sicher wachgeworden ist – was immer der Fall ist. Das Einzige, was ich mir nicht nehmen lasse, ist ihr das Frühstück herzurichten. Das steht dann schon bereit, wenn sie aufsteht und auch ihre Brotzeit ist dann schon gepackt. Alles andere macht sie selbst und das sehr gewissenhaft. Und ja, ohne Arbeit kein Geld und da war ich auch sehr streng mit Frauen, die mir früher im Jobcenter erklären wollten, sie hätten ein Kind und könnten nicht arbeiten. Ich bin doch das beste Beispiel, dass das sehr wohl geht! Einen Frauenbonus gibt es bei der Eisenbahn ganz sicher nicht, auch keinen für alleinerziehende, man muss schon Leistung zeigen. Aber das ist ja in jedem Beruf so. Einen Unterschied gibt es übrigens aber sehr wohl zu den Männern, das höre ich immer wieder: Frauen fahren und bremsen ruhiger, gefühlvoller.
Natalie Mangold: Die Personalabteilung hat sich, nachdem ich meine Bewerbung eingereicht hatte, innerhalb von wenigen Tagen bei mir gemeldet und nachdem ich den Bahnarzttermin bestanden hatte, stand meiner Ausbildung nichts mehr im Wege. Im Vorstellungsgespräch war das Thema alleinerziehend und wie man die Orga mit Schichten fahren und Kind auf die Reihe bringt, schon ein Thema. Und doch habe ich die Chance von der BRB bekommen. Unterstützung brauche ich von meinen Kolleginnen und Kollegen eigentlich nicht. Doch ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass ich sie bekommen würde. Die Kameradschaft unter uns ist schon groß. Ich saß auch schon am Boden zerstört in der Personalabteilung, hatte keinen Ausweg gesehen, wollte kündigen, weil ich Angst hatte, es nicht zu schaffen, aber dort wurde ich ziemlich schnell beruhigt und sowohl die Personalabteilung als auch mein Teamleiter haben mir einen Weg aufgezeigt, wie es funktionieren kann. Und ich bin noch immer da. Gut, dass ich hier Planungssicherheit habe, die Personaldisponenten kriegen das immer gut hin.
Lisa Damm: Ich kam als Praktikantin und bin dann vorerst die Vertretung einer erkrankten Kollegin geworden. Habe inzwischen in mehreren Abteilungen gearbeitet. Dankbar bin ich der Personalchefin der BRB, dass sie mir flexible Arbeitszeiten angeboten hat. So kann ich Rosalie selbst in die Kita bringen und wenn es manchmal etwas länger dauert, fange ich eben später an und höre später auf. Das ist eine große Erleichterung für mich. Ich bin hier Teil des Teams, gehöre dazu und komme sehr gerne zur Arbeit. Eine Kollegin sagte mir einmal, dass Eisenbahner zusammenhalten, und genauso ist es. Und was mich total freut: bei der BRB bekomme ich Lob! Im Einzelhandel bekommst du kein Lob.

Lisa Damm: Da ich schon in den letzten Wochen der Schwangerschaft ohne Partner bzw. Vater für mein ungeborenes Kind einstehen musste, bin ich es gar nicht anders gewohnt, als alles allein zu entscheiden. Jetzt ist es eher so, dass ich mich damit schwertue, Verantwortung abzugeben, zum Beispiel an meinen jetzigen Partner.
Natalie Mangold: Das kann ich gut verstehen, geht mir ähnlich.

Natalie Mangold: Damit gibt Lea schon ein bisschen an, dass ihre Mama Lokführerin ist. Triebfahrzeugführerin sagt sie nicht, das müsste sie ihren Freundinnen erst wieder erklären.
Lisa Damm: Rosalie findet es auch toll, dass mein Partner Lokführer ist, das hat heute immer noch eine gewisse Anziehungskraft und Faszination. Er ist nicht direkt Lokführer, arbeitet im Betriebswerk in Lenggries als Disponent und muss entsprechend die Züge rangieren. Aber er fährt eben auch Züge. Und den finanziellen Aspekt habe ich ja schon erklärt. Übrigens habe ich zeitweise in Vorstellungsgesprächen nicht erwähnt, dass ich ein Kind habe. Dann sitzt man immerhin schon mal im Vorstellungsgespräch und das ist ein Vorteil. Jede Mutter ist anders, dass sollten Personaler nie vergessen. Und wir Mütter haben unheimlich viel Energie. Ich mache gerade noch eine Weiterbildung zur geprüften Bürosachbearbeiterin, das heißt abends lernen, nach einem harten und langen Tag, wenn es die Kraft dann auch noch zulässt.

Natalie Mangold: Ich fahre eine schwere Maschine, eine Suzuki Intruder 1400, Motorradfahren ist meine Leidenschaft. Und ich backe total gerne Kekse, Torten, Plätzchen, einfach alles. Das mache ich, wenn Lea nicht da ist, zum Ausgleich für mich.

Lisa Damm: Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass man kleinen Kindern erzählen könne, dass, wenn sie Lügen, ein leuchtender Stern auf ihrer Stirn erscheint, den nur Erwachsene sehen können. Deshalb würden sie sich dann, wenn sie lügen, die Hand an die Stirn legen. Hat geklappt! Jetzt nicht mehr, aber als Rosalie kleiner war, schon. Manchmal muss man eben auch tricksen. Spaß am Leben ist am wichtigsten.

Pressesprecherin, BRB