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Baumaßnahmen

Bei der BRB geht es um viel mehr als nur Zugfahren

28.04.2022
Betrieb

9-Euro-Ticket, Baustellenchaos, Flüchtlinge, Kostensteigerung

ASC

Der Fahrgast will pünktlich und auch günstig von A nach B kommen, der Zug soll sauber sein und die Kundenbetreuer*innen freundlich. Eigentlich ganz einfach, möchte man meinen. Aber die BRB ist ein Unternehmen, das darüber hinaus viele weitere Herausforderungen zu meistern hat. BRB-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann gibt einen Einblick.

Gerade hat die BRB im Netz Oberland wieder ein Baustellenchaos hinter sich. Die ausführliche Pressemitteilung ist hier zu finden. Die Kurzversion lautet: Stellwerksausfall in Schliersee, weil die Baufirma, von der DB Netz AG beauftragt, Kabel durchtrennt hat und deshalb kein Zugverkehr mehr möglich war. Von jetzt auf gleich Busse für den Schienenersatzverkehr zu bekommen war fast unmöglich. Zwei Betriebstage waren die Fahrgäste die Leidtragenden. Noch schlechter lief es bei der Baustelle zwischen Holzkirchen und Lenggries. Die DB Netz AG hatte falsche Schwellen bestellt und das erst kurz vor dem Einbau bemerkt. Deshalb musste die Baustelle verlängert werden, was der BRB so kurzfristig mitgeteilt wurde, dass auch hier der Schienenersatzverkehr nur unzureichend organisiert werden konnte und die BRB es nur mit größter Mühe schaffte, dass die Schüler*innen am Montag nach den Osterferien zur Schule kamen. Das passiert ja nicht zum ersten Mal, was machen Sie in einem solchen Fall?

Arnulf Schuchmann: Tja, ich ärgere mich genauso wie alle unsere Fahrgäste, die am Bahnhof vergeblich auf die BRB und vielleicht sogar vergeblich auf den Schienenersatzverkehr warten. Und ich ärgere mich genauso wie die Eltern, die am ersten Tag nach den Osterferien nicht wissen, ob ihre Kinder pünktlich zur Schule und wieder nach Hause kommen. Da bleibe auch ich alles andere als ruhig. Wir, also alle Mitarbeitenden, die für den betrieblichen Ablauf zuständig sind, arbeiten dann mit Hochdruck an der Problemlösung. Auch abends und am Wochenende. Da zieht jeder mit.

BLZ
In unserer Betriebsleitzentrale koordinieren Disponenten rund um die Uhr alle Abläufe - bei kurzfristigen Änderungen beispielsweise muss geklärt werden, ob es Ersatz gibt. Foto: Syrius Gropius/ Transdev

Den Fahrgästen ist es egal, wer der Schuldige ist, sie unterscheiden nicht zwischen den Verursacher*innen. Das schadet dem Ruf der BRB und im schlimmsten Fall kostet es auch Geld, oder?

Arnulf Schuchmann: Ja, das stimmt. Für Verspätungen über sechs Minuten zahlen wir sogenannte Pönale, also Strafe, und die Bayerische Eisenbahngesellschaft, kurz BEG, die den Schienenpersonennahverkehr im Auftrag des Freistaats Bayern plant, finanziert und kontrolliert, führt immer wieder anonyme Fahrgastbefragungen durch. Wenn sich da Fahrgäste einmal wieder über unsere Unpünktlichkeit, ausfallende Züge oder nicht existierenden Schienenersatzverkehr geärgert haben, können Sie sich vorstellen, wie die Befragungen ausfallen. Und dann stehen wir im Bayern-Ranking nicht so gut da, wie es eigentlich der Fall wäre, wenn solche Chaostage und -wochen nicht wären. Und im Extremfall werden auch hier Strafzahlungen fällig.

Die aktuellen Strompreise sind gegenüber dem vergangenen Jahr um das Zweieinhalbfache bis Dreifache im Netz Chiemgau-Inntal gestiegen.
Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der BRB

Unternehmen müssen auch die Finanzen im Blick haben. Rund 750 Mitarbeitende bekommen Monat für Monat Lohn und Gehalt und haben einen sicheren Arbeitsplatz bei der BRB. Auch zu den schlimmsten Coronazeiten ist die BRB immer gefahren. Erst Corona, dann der Ukrainekrieg mit immensen Energiekostensteigerungen und die Erhöhung des Mindestlohns – das alles muss irgendwie finanziert werden. Können Sie nachts noch gut schlafen?

Arnulf Schuchmann:Ja, das kann ich, denn Erholungsphasen braucht der Mensch, ganz gleich, was er tut. Aber es stimmt schon, die finanzielle Belastung und der finanzielle Druck sind hoch. Die Fahrgastzahlen aus dem Jahr 2019 sind die letzten aus der Vor-Corona-Zeit. Die waren für unsere Entwicklung die Grundlage, anhand derer wir unsere Steigerung, was Erlöse und Fahrgastzahlen anbelangt, für die nächsten Jahre berechnet hatten. Dann kam Corona und wir hatten hohe Einbrüche bei den Fahrgastzahlen. Bis heute sind diese Zahlen nicht wieder annähernd auf das Niveau von 2019 gestiegen und die einberechneten Steigerungen, die wir eigentlich prognostiziert hatten, von denen sind wir meilenweit entfernt. Wir laufen permanent hinterher. Da geht es für uns in Euro umgerechnet um zweistellige Millionenbeträge, die uns am Ende fehlen, trotz Rettungsschirm! Gleiches gilt für die Energiekosten. Die aktuellen Strompreise sind gegenüber dem vergangenen Jahr um das Zweieinhalbfache bis Dreifache im Netz Chiemgau-Inntal gestiegen. Beim Diesel ist es nicht ganz so schlimm. Obendrauf kommen noch die gestiegenen Kosten für Material und Dienstleistungen. Die Materialkostensteigerung liegt bei 15 bis 20 Prozent, der Mindestlohn steigt um rund 30 Prozent zum 1. Januar nächsten Jahres, weshalb mancher unserer Dienstleister die Preise stark erhöhen wird. Da kommen insgesamt schon Kostensteigerungen auf uns zu, die einen vielleicht doch mal schlecht schlafen lassen.

9 euro ticket
Mit dem Zug für nur 9 Euro in allen Streckennetzen der BRB unterwegs sein - und darüber hinaus, ab dem vrs. 1. Juni 2022 für 3 Monate lang. Foto: BRB/ Dietmar Denger

Und jetzt das 9-Euro-Ticket. Sind Sie damit glücklich?

Arnulf Schuchmann: Nein, bin ich nicht. Es macht uns wahnsinnig viel Arbeit und ich befürchte, dass der Effekt am Ende verpuffen wird nach den drei Monaten. Wir werden zwar mehr Fahrgäste haben, aber gerade auch dann, wenn unsere Züge eh schon gut ausgelastet sind, also an den Wochenenden auf den Ausflugsstrecken. Ich kann aber nicht weitere Zugteile ankuppeln, denn wir fahren bereits alles, was wir haben und die Bahnsteiglängen lassen auch vielerorts keine längeren Züge zu. Dass der Fahrgast das Ticket toll findet, verstehe ich, aber der Effekt wird nicht nachhaltig sein, befürchte ich.

Viele unserer Mitarbeitenden haben ihr Herz einfach am rechten Fleck. Darauf bin ich als Geschäftsführer schon ein wenig stolz.
Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der BRB
Aufenthaltszug

Haben sie auch eine gute Botschaft?

Arnulf Schuchmann: Ja, die habe ich. Wir haben tolle Mitarbeitende, die nicht nur in ihrem Job hohe Leistung erbringen, sondern auch in ihrer Freizeit. Noch immer steht der Aufenthaltszug in Freilassing, in dem sich ukrainische Flüchtlinge aufwärmen, ausruhen und auf die Toilette gehen können. Den betreuen ehrenamtlich BRB-Mitarbeitende. Sie versorgen die Menschen mit Essen und Getränken, Spielsachen, Plüschtieren und Schokolade für die Kinder und geben ein bisschen Fürsorge, was die Kriegsflüchtlinge sehr zu schätzen wissen. Das ist eine schöne Erfahrung und es hat mich sehr gefreut, dass es viele Mitarbeitende bei uns gibt, die sich ehrenamtlich engagieren. Übrigens nicht nur in der Flüchtlingshilfe. Viele unserer Mitarbeitenden haben ihr Herz einfach am rechten Fleck. Darauf bin ich als Geschäftsführer schon ein wenig stolz.

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