Direkt zum Hauptinhalt springen
Direkt zur Navigation springen
Direkt zum Footer springen

Generalsanierungen der DB InfraGO sorgen für mächtig viel Ärger

Betrieb
Thomas Posch, Geschäftsführer der Westbahn, und Arnulf Schuchmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der BRB, konnten an vielen praktischen Beispielen erklären, wo es in der Zusammenarbeit mit der DB InfraGO AG hakt.
Thomas Posch, Geschäftsführer der Westbahn, und Arnulf Schuchmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der BRB, konnten an vielen praktischen Beispielen erklären, wo es in der Zusammenarbeit mit der DB InfraGO AG hakt.© BRB

Wenn die BRB gemeinsam mit der Westbahn Journalisten zur Pressekonferenz nach München einlädt, dann ist das alles andere als alltäglich und so kamen viele Journalisten, um zu hören, was die beiden Geschäftsführer dazu veranlasst hatte. Mucksmäuschenstill war es im Raum, als Arnulf Schuchmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der BRB, und Thomas Posch, Geschäftsführer der Westbahn, ihr Leid klagten, aber auch konstruktive Vorschläge machten. Im Mittelpunkt standen die Generalsanierungen der DB InfraGO AG in Bayern in den nächsten Jahren. Davon sind beide Unternehmen stark betroffen und leider auch in einem kaum noch zumutbaren Umfang die Fahrgäste. Sanierungen und Modernisierungen der Schieneninfrastruktur sind notwendig, das betonten Posch und Schuchmann immer wieder, aber sie schränkten ein: „Intensität, Dauer und Umsetzung der Maßnahmen dürfen nicht zulasten der Reisenden gehen.“ Was auf die Mitarbeitenden von Westbahn und BRB zukommt, können die beiden Geschäftsführer aus ihren Erfahrungen aus 2025 schon erahnen. Nicht umsonst hatte Arnulf Schuchmann schon Ende des vergangenen Jahres einen Hilferuf in einer Pressemitteilung abgesetzt: „Wir können den Zugverkehr kaum noch aufrechterhalten!“

Fahrgastinfo muss neu gedacht und schneller, flexibler sowie verlässlicher im Sinne unserer Fahrgäste werden.
Arnulf Schuchmann, Vorsitzender der BRB-Geschäftsführung

Welche Auswirkungen die mangelnde Baustellenplanung der DB InfraGO konkret hat, erläuterte der BRB-Geschäftsführer am Beispiel der vielbefahrenen Strecke des RE5 München – Rosenheim – Salzburg. Diese ist bereits heuer aufgrund der Generalsanierung Nürnberg – Regensburg – Passau von Einschränkungen und Zugausfällen betroffen. Kommt dann in den Folgejahren 2027 und 2028 die geplante Generalsanierung erst von Rosenheim bis Freilassing und anschließend von München bis Rosenheim, spitzt sich die Situation noch einmal zu. Dann heißt es für viele Fahrgäste: Bus statt Bahn. Dabei stellen sich für die konkrete Umsetzung noch viele Fragen.

Das Netz Chiemgau-Inntal wird in den kommenden Jahren stark unter den Generalsanierungen der DB InfraGO leiden. „Bus statt Bahn“ wird es dann öfter heißen.
Das Netz Chiemgau-Inntal wird in den kommenden Jahren stark unter den Generalsanierungen der DB InfraGO leiden. „Bus statt Bahn“ wird es dann öfter heißen.© BRB/ Dietmar Denger

Sperrkonzept unklar: Statt Vollsperrungen könnte auch mit Eingleisigkeit gebaut werden, was die Möglichkeit zu ausgedünnten Fahrplänen bietet, statt nur Schienenersatzverkehr. Zudem ist der Bauumfang fragwürdig. Viele Infrastrukturanlagen sind erst rund 20 Jahre alt und müssten noch nicht saniert werden. Die BRB hat zu den Planungen der DB InfraGO konkrete Alternativvorschläge eingereicht, die jedoch von den Verantwortlichen bislang ohne Rückmeldung blieben. „Man lässt uns am ausgestreckten Arm verhungern und verweigert uns einen zielgerichteten Dialog“, so Schuchmann.

Ein Tipp für alle Fahrgäste der BRB:

Werfen Sie sich vor Fahrtantritt sicherheitshalber einen Blick in unsere Auskunftsmedien, in die wir selbst die aktuellsten Informationen eingeben können. Das sind unsere Webseite, unsere WhatsApp-Kanäle, die Newsletter, die wir bei größeren Maßnahmen zeitnah an Abonnentinnen und Abonnenten versenden und unsere BRB-Störungsinfo auf Facebook.

Weitere Infos

Beim geplanten Schienenersatzverkehr (SEV) für den RE5 werden die benötigten Busse zwar von der DB InfraGO organisiert, jedoch soll die BRB u.a. Beschwerden beantworten, obwohl sie keinen direkten Kontakt zu den Busunternehmen hat. Das Ergebnis: Fahrgäste erwarten Antworten, die die BRB ohne Informationen nicht geben kann.

Nicht zuletzt bleibt das grundsätzliche Thema der Fahrgastinformation. Sie funktioniert bereits heute nicht zufriedenstellend. Technische Vorgaben blockieren flexible Lösungen, die aktuelle Informationsstruktur ist zu starr, um auf kurzfristige Baustellenänderungen zu reagieren. Doch genau die sind inzwischen leider an der Tagesordnung. Das System ist zu schwerfällig und wurde seit Jahrzehnten nicht auf das digitale Zeitalter angepasst. Arnulf Schuchmann fordert daher: „Fahrgastinfo muss neu gedacht und schneller, flexibler sowie verlässlicher im Sinne unserer Fahrgäste werden.“

Arnulf Schuchmann war auf der Pressekonferenz ein gefragter Gesprächspartner der Journalisten.
Arnulf Schuchmann war auf der Pressekonferenz ein gefragter Gesprächspartner der Journalisten.© BRB

Die „Leidensfähigkeit der Fahrgäste“ fanden sowohl Schuchmann als auch Posch bewundernswert. Die Fahrgäste halten dem System Bahn nach wir vor die Treue. Die BRB zähle immer mehr Reisende, was aber auch mit dem Deutschlandticket zusammenhänge, erklärte Schuchmann.** Es sei immer noch angenehmer, mit der Bahn zu reisen als mit dem Auto**: „Auch die Straßen wurden doch kaputtgespart.“ Die Bahn habe einfach keine Lobby, stellte er fest und dachte laut darüber nach, mit Zügen eine Sternfahrt nach Berlin zu organisieren und diese dann dort auf den Gleisen stehenzulassen, dann ginge nichts mehr. Das sorge für ungeteilte Aufmerksamkeit.

Westbahn und BRB haben drei sehr konkrete Kernforderungen an die DB InfraGO:

1. Baustellen sind kein Überraschungs-Ei: Es braucht mehr Vorlauf, frühzeitige Ankündigungen von Sanierungsmaßnahmen und klare Kommunikation. Kurzfristige Änderungen oder überraschende Bauzeitverlängerungen treffen am Ende immer die Reisenden.

2. Planungssicherheit ist kein Würfelspiel: Bahnverkehr braucht Verlässlichkeit und einen Plan, der hält. Kurzfristig gestoppte oder geänderte Bauabschnitte, fehlende Kapazitäten oder nicht besetzte Stellwerke bringen Fahrpläne und Betriebsabläufe durcheinander. Planung muss realistisch und verlässlich sein.

3. Schluss mit Zuständigkeits-Pingpong: Klare Verantwortungen statt Abstimmungschaos. Gerade im grenzüberschreitenden Verkehr braucht es klare Zuständigkeiten und eine funktionierende interne Kommunikation – vor allem zwischen Regionen und Leitstellen. Fehlleitungen und widersprüchliche Informationen müssen vermieden werden.

Arnulf Schuchmann nannte viele Beispiele, welche die BRB behindern, auf Unverständnis stoßen, nicht nachvollziehbar oder kontraproduktiv sind. Eine Auswahl:

Bahnsteige wurden aus finanziellen Gründen verkürzt, längere Züge können nicht mehr halten. Das wäre aber während Baumaßnahmen durchaus hilfreich, ausgedünnte Fahrpläne, dafür mehr Kapazitäten in den übrigbleibenden Zugfahrten.

Der Grundsatz „schnell vor langsam“ muss ersetzt werden durch „pünktlich vor unpünktlich“., dann müssten Regionalzüge, wie die der BRB, nicht immer ICE vorbeilassen und dann verspätet weiterfahren. Jede Verspätung bedeutet Pönale. 35 Millionen Euro hat der Freistaat letztes Jahr einbehalten, wo ist dieses Geld? „Im Regionalverkehr sitzen auch Menschen, und zwar deutschlandweit über das Jahr gesehen hundertmal so viele wie im Fernverkehr“, sagt der BRB-Geschäftsführer.

Die Mehrfachbelastung auf Strecken durch Umleiterverkehre wird dazu führen, dass nächstes Jahr Strecken zusammenbrechen werden, die dem stärkeren Verkehrsaufkommen nicht mehr standhalten können.

SEV-Busse werden an Busknoten wie in Rosenheim landen, die für die Anzahl der benötigten Busse nicht ausgelegt sind.

Bayern und der Süden Deutschlands sind am stärksten mit Langsamfahrstellen belastet, hier gibt es die meisten Baustellen. 50 Prozent aller Langsamfahrstellen sind in Bayern.

Auf der wichtigsten Strecke von Salzburg nach München, so Schuchmann, erreiche die BRB gerade noch eine Pünktlichkeit von etwa 65 Prozent. „Bei 97 Prozent würde ich sagen, das ist gut. Aber es gibt kein einziges Netz in Bayern, das diesen Standard erfüllt.“

Die gesamte Pressekonferenz wurde von Bahnblogstelle aufgezeichnet

Annette Luckner

Annette Luckner

Pressesprecherin, BRB

Seite teilen