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Die Zukunft gehört der Schiene

Am 5. Juni war, wie jedes Jahr, „Tag der Umwelt“. Doch nicht nur an diesem Tag ist der ÖPNV wichtig für den Klima- und Umweltschutz und für eine Verkehrswende, die wir in Deutschland dringend brauchen. Eigentlich sollte jeder Tag ein „Tag der Umwelt“ sein. BRB-Geschäftsführer Fabian Amini ist überzeugter Bahnfahrer und besitzt gar kein eigenes Auto mehr.

Frage: Herr Amini, sie fahren mit Zug und S-Bahn, fahren viel Fahrrad. Vermissen Sie nicht manchmal ihr Auto? Seit wann besitzen Sie keines mehr?

Augsburg Hauptbahnhof
Die dieselbetriebenen Lint-Züge sind nur eine Übergangslösung, denn die Zukunft gehört einem intelligenten Mix aus Elektrifizierung der Schiene und alternativen Antrieben, also der Elektromobilität auf der Schiene.

Fabian Amini: Für jüngere Generationen ist es schon selbstverständlich, kein eigenes Auto mehr besitzen zu müssen. Für meine und ältere Generationen ist diese Vorstellung vor allem eine vermeintliche Barriere im Kopf, die man erst einmal überwinden muss. Ich lebe jetzt seit knapp drei Jahren ohne eigenes Auto und habe es keinen einzigen Tag vermisst. Zugegeben, in München ist das deutlich einfacher als in ländlichen Regionen, wo der ÖPNV nicht so gut getaktet ist wie in unseren Städten. Aber jeder könnte zumindest hin und wieder auf sein Auto verzichten und der Umwelt zuliebe mit Bus und Bahn fahren.

Elektrifizierung
Auch im Netz Oberland wird die Elektrifizierung derzeit priorisiert und bereits entsprechende Vorplanungen durch den Freistaat Bayern übernommen (Foto: Dietmar Denger).

Frage: Wäre sicher einen Versuch wert.

Fabian Amini: Manchmal ist es einfach nur Gewohnheit, dass man sich ins eigene Auto setzt, statt den ÖPNV zu nutzen. Man quält sich dann durch den Verkehr, sucht ewig einen Parkplatz und kommt dann unnötig gestresst an, statt bequem Bus und Bahn zu nutzen. Und auch in Zeiten von Corona kann man die öffentlichen Verkehrsmittel bedenkenlos nutzen. Wir bei der BRB haben es testen lassen: In unseren Zügen wird alle paar Minuten die Luft komplett ausgetauscht. Zusammen mit den Abstandsregelungen, Hygienemaßnahmen und der Maskenpflicht sind wir alle bestens geschützt.

Frage: Die Schiene ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel, wenn man Radfahrende und Menschen zu Fuß außer Acht lässt.

Fabian Amini: Ja, ohne die Eisenbahnverkehrsunternehmen werden weder Verkehrs- noch Klimawende funktionieren. Schauen Sie sich den Flottentausch bei uns im Netz Oberland an. Der vorzeitige Umstieg von den alten Integral- auf die neuen Lint-Fahrzeuge hat knapp fünf Jahre früher als bisher vorgesehen zu 90 Prozent weniger Stickoxid- und Partikelemissionen geführt. Trotzdem sind für mich die dieselbetriebenen Lint-Züge nur eine Übergangslösung, denn die Zukunft gehört einem intelligenten Mix aus Elektrifizierung der Schiene und alternativen Antrieben, also der Elektromobilität auf der Schiene. Für das Oberland ist die Elektrifizierung nach heutigem Stand der Technik die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Lösung. Dies hat der Freistaat Bayern bereits erkannt und selbst Geld für die Finanzierung der Vorplanungen zur Elektrifizierung der Strecken im Oberland in die Hand genommen, um keine weitere Zeit zu verlieren.

Weniger Individualverkehr und mehr ÖPNV gibt den Städten und Gemeinden im wahrsten Sinne des Wortes mehr Luft zum Atmen und mehr Raum, der hochwertiger genutzt werden könnte als nur für Straßen und Parkplätze. Keine Staus, kein Parkplatzsuchverkehr – auch das ist gut fürs Klima.
Fabian Amini
Fabian Amini
BRB-Geschäftsführer Fabian Amini besitzt kein eigenes Auto und setzt auf die Elektrifizierung der Schiene für die Klima- und Verkehrswende.

Frage: Dennoch ist bayern- und auch deutschlandweit in Sachen Elektromobilität auf der Schiene noch viel Luft nach oben. Nur gut die Hälfte der bayerischen und gut 60 Prozent der deutschen Bahnstrecken sind „unter Fahrdraht“ und laut dem Verein „Allianz pro Schiene“, einem gemeinnützigen Verkehrsbündnis, das sich für einen höheren Marktanteil des Schienenverkehrs im Güter- und Personenverkehr in Deutschland einsetzt, ist in den vergangenen Jahren das Oberleitungsnetz in Deutschland durchschnittlich nur um 65 Kilometer pro Jahr gewachsen. Wie sehen Sie das?

Fabian Amini: Um das von der Bundesregierung selbst gesteckte Ziel eines Elektrifizierungsgrads von 70 Prozent bis 2025 zu erreichen, muss das Tempo schon noch erhöht werden. Bis 2025 müssten hierfür rund 570 Schienenkilometer pro Jahr elektrifiziert oder durch alternative Antriebslösungen abgedeckt werden, wenn dies ökologisch und ökonomisch die bessere Wahl ist. Bis sich also merklich etwas ändert, wird noch so mancher „Tag der Umwelt“ ins bayerische Land ziehen müssen.

Frage: Nochmal zum ÖPNV als Ersatz für das eigene Auto. Was muss sich in den ländlicheren Regionen ändern, damit auch dort weniger Pkw unterwegs sind?

Fabian Amini: Es muss das Ziel sein, auch für den ländlichen Raum attraktive Mobilitätslösungen als echte Alternative zum Auto zu schaffen, wie es schon heute in den Ballungsräumen mit dem Mix aus ÖPNV, Sharing-Konzepten und Fahrrad der Fall ist. Statt heute einzelnen Anbietern das Rosinenpicken einzelner Leistungen und Relationen zu überlassen, sollten ganzheitliche Mobilitätslösungen ausgeschrieben werden, die auch in der Fläche bedarfsgerechte Mobilität zu jeder Zeit garantieren. Weniger Individualverkehr und mehr ÖPNV gibt den Städten und Gemeinden im wahrsten Sinne des Wortes mehr Luft zum Atmen und mehr Raum, der hochwertiger genutzt werden könnte als nur für Straßen und Parkplätze. Keine Staus, kein Parkplatzsuchverkehr – auch das ist gut fürs Klima.“

Auf der Webseite der „Allianz pro Schiene“ sind viele Informationen rund um die Elektrifizierung der Schiene zu finden.